Anca’s Augen

augen
Die späte Nachmittagssonne schien über den Dächern von Antibe. Ich saß in meinem Büro am ‚Boulevard Maréchal Leclerc‘ und schaute aufs Meer. Ich hatte alle anderen nach Hause geschickt, schliesslich war es Freitag und alle freuten sich aufs Wochenende. Ich genoss die Ruhe bei einem Espresso und hing meinen Gedanken nach, als plötzlich das Telefon klingelte. Ich überlegte kurz ob der Anrufbeantworter das erledigen sollte, dann aber ging ich ran.

»Hallo« sagte ich.
»Monsieur Blanc? Hier ist Madame Jumey«
»Hallo Madame was kann ich für sie tun« ich verdrehte die Augen.

Madame Jumey hatte mit ihrem Mann ein kleines Anwesen mit einem wunderschönen alten Natursteinhaus in den Bergen von Nizza gekauft. Meine Aufgabe war es, dieses auf den neuesten Stand der Technik zu bringen, es zu gestalten ohne das dabei der alte Charme verloren ging. Das war mein Job. Soviel zur Theorie.

Madame Jumey hatte ich bis jetzt nur einmal gesehen. Am Tag als ich den Auftrag bekam. Monsieur Jumey ein Geschäftspartner von Carolines Vater, der mich nach Südfrankreich geholt hatte, war ein viel beschäftigter Mann und in ganz Europa unterwegs. Seine Frau ein wenig jung für ihn, äusserst attraktiv und dem Anschein nach gelangweilt. Immer wieder hatten wir telefoniert. Sie war mir bis dato immer wieder mit extra Wünschen und Änderungen aufgefallen. Es schien als wenn sie nach jedem Treffen mit ihren Freundinnen eine neue Idee hatte und das Haus sowie der Garten verlor immer mehr von dem was es ausmachte. Ich war gespannt was es wohl diesmal sein würde.

»Wir müssen nochmal über den Pool reden und die Bäderfliesen!!!«

Sie überfiel mich gleich mit all ihren Vorstellungen, die so gar nichts mit dem zutun hatten was vorher schon mal besprochen und in Arbeit war.

Ich hörte geduldig zu. Lies sie alles erzählen. Dann hatte ich eine Idee.

»Madame Jumey, ich möchte das wir uns treffen. Lassen sie uns das alles direkt am Haus besprechen dann können sie mir ihre Wünsche gleich vor Ort darlegen und ich bin mir sicher das es wundervoll wird.« sagte ich.
Eine kurze Pause am anderen Ende der Leitung.

»Aber mein Mann ist in Brüssel« hörte ich sie sagen.

»Das macht nichts« erwiderte ich.

»Ich weiss das ihr Mann ihrem guten Geschmack vertraut«

»In einer Stunde?«

»Äh, okay« kam ihr zögernd über die Lippen.

»Wunderbar, dann in einer Stunde an ihrem Haus« ich legte auf.

Gleich danach machte ich mich auf den Weg. Ich musste noch ein paar Dinge besorgen, dann fuhr ich in die Berge. Als ich auf das Anwesen fuhr hüllte die Sonne es in goldenes Licht. Perfekt für meinen Plan.


Der Garten mit dem alten Pool wirkte wie aus einer anderen Zeit. Pinien, uralte Rosen waren dort, der Duft von Flieder erfüllte das ganze Areal. Zikaden sangen. Genau diesen Zauber wollte ich Madame Jumey zeigen. Ich hatte Wein und ein paar Trauben auf einem kleinen alten Tisch angerichtet. Dieser stand mit zwei Stühlen in mitten dieser Idylle.

Sie war fast pünktlich. Der Kies in der Auffahrt knirschte als sie ihr Auto parkte. Ich ging ihr entgegen. Als sie aus dem Wagen stieg, verschlug es mir kurz den Atem. Meine Erinnerung an sie waren wohl durch die vielen unangenehmen Telefonate ein wenig getrübt. Sie sah bezaubernd aus. In ihrem weißen Sommerkleid und den für den Kies viel zu hohen Pumps. Ein schwarzes Band aus Spitze betonte ihre Hüften.

»Hallo Madame, schön das sie da sind« sagte ich.

»Hallo Monsieur Blanc« erwiderte sie und schaute sich um.

»Hier sieht es ja gar nicht nach Baustelle aus« bemerkte sie.

»Das soll es auch nicht, mein Team und ich möchten doch all das schöne ihres Anwesens erhalten und wir wollen das sie zu fast jeder Zeit mit Freunden hierher kommen können« ich nahm sie bei der Hand und führte sie in den Garten.
Wir nahmen Platz. Ich goss uns beiden Rosé in die Gläser. Wir saßen dort und tranken Wein. Madame Jumey lies ihren Blick schweifen, über den Pool auf dessen Oberfläche ein paar Blätter schwammen. Zwei bläulich schimmernde Libellen zogen ihre Kreise. Das Haus mit der Terrasse strahlte golden in der Abendsonne.

»Madame???« fragte ich.

Keine Antwort. Die zauberhafte Stimmung zeigte ihre Wirkung. Ich ließ ihr Zeit.

»Madame Jumey? Ist alles okay mit ihnen?

»Anca, ich heisse Anca, schauen sie wie wundervoll dieser Garten ist, diese Stille« sagte sie nach einer Weile.

»Ja?« ein Lächeln legte sich auf meine Lippen.

»Ich sitze das erste Mal hier« sagte sie.

»Ich wusste nicht wie schön es ist. Man kann es spüren.«

»Was kann man spüren?  obgleich ich die Antwort wusste, fragte ich.

»Den Zauber der Vergangenheit« sagte sie.

Jetzt hatte sie der Zauber gepackt.

»Henry, ich darf doch Henry sagen? Zeigen sie mir mehr!«

»Natürlich«

Wir nahmen unsere Gläser und gingen ein paar Schritte durch den Garten. Dabei erzählte ich ihr von Maximilian. Er lebte hier bis zu seinem Tod vor 3 Jahren. Erzählte von dem Keller in dem er Wein kelterte, und ich erzählte von den Damen aus dem nahegelegenen Ort die seinem Charme das ein oder andere mal in diesem Keller erlegen waren. Von einem großen Fest, jedes Jahr, zu dem Maximilian den ganzen Ort einlud um einen neuen Wein zu feiern. Alle brachten damals Speisen mit und es wurde getrunken und gelacht.

»Was machte Maximilian beruflich?« fragte sie als wir am Pool vorbei schlenderten.

»Er hat nur ein wenig Wein gemacht. Den Erzählungen nach hat er nur gelebt und geliebt«

Sie schaute einen Augenblick verträumt auf das Wasser.

Ich stand dicht hinter ihr, konnte ihren Duft atmen. Wir berührten uns leicht als sie sich zu mir drehte.

»Zeigen sie mir nun das Haus Henry?« wir schauten uns einen langen Augenblick an.

»Gerne« sagte ich dann leise.

Ich nahm sie wieder bei der Hand und führte sie über die Terrasse ins Haus.

Auch hier keine Baustelle. Sie war erstaunt. Die Räume waren noch so, wie sie früher waren, von einigen Möbeln befreit, technisch auf dem neusten Stand, doch der alte Charme war noch da. Selbst die Küche wirkte noch wie damals, doch sie hatte all die technischen Raffinessen die eine Frau sich heute in einer Küche wünscht. Als ich sie nach oben zu den Schlafzimmern führen wollte blieb sie stehen.

»Ich möchte den Weinkeller sehen« sagte sie und ihr Blick sprach Bände.


Ich führte sie die enge Treppe hinunter. Sie hielt meine Hand ganz fest. Unten traten wir in einen grossen Raum. Hier war alles so wie es Maximilian hinterlassen hatte. Das Licht war schummrig. Große Fässer standen an einer Wand. Überall gab es kleine Ecken mit hölzernen Kisten. In einer Nische ein riesiger Trog der fast bis unter die hohe Decke reichte. Daran eine eiserne Treppe. Hier gärte der Wein. Auf einem kleinen Tisch stand ein altes Grammophon. Eine andere Wand schmückte ein Weinregal. In der Mitte des Raumes ein grosser Tisch aus alten Eichenbohlen, darauf ein paar Kerzen. Dazu Stühle und eine große Bank. Anca schritt durch den Raum. Das klackende Geräusch ihrer hohen Schuhe schallte von den Wänden zurück. Sie schaute sich um.

»Wie mag das wohl gewesen sein?« fragte sie mit dem Rücken an die steinerne Wand gegenüber dem Trog gelehnt und ihr Blick verriet sie. Sie versuchte sich vorzustellen wie gewesen war. Hier alleine mit Maximilian.

»Was meinen sie?« erwiderte ich und trat an sie heran.

»Na hier in diesem Keller, alleine mit…« ich legte sanft einen Finger auf ihre Lippen.

»Psst« hauchte ich in ihr Ohr.

Mein Finger fuhr langsam über ihr Kinn den schlanken Hals hinunter. Sie schloss die Augen.

Als ich an ihr runter schaute, sah ich wie sich ihre harten Brustwarzen unter dem Kleid abzeichneten.

»Du willst wissen wie es war, hier im Keller verführt zu werden« sagte ich, meinen Mund immer noch dicht an ihrem Ohr.

Ein leises »Ja« kam über ihre Lippen.

Sie schaute mich an. Noch nie hatte ich solch einen Blick gesehen. Diese Augen hatten ihren eigenen Zauber.

Meine Hand glitt weiter runter zwischen ihren Brüsten bis hinunter zum Bauch. Ich spürte wie ihr Atem schneller wurde.

Meine andere Hand fuhr über ihren Rücken bis zu der Schleife aus schwarzer Spitze. Langsam zog ich daran bis sie sich öffnete und ich das ganze Band in der Hand hielt. Dann drehte ich sie um. Legte es vorsichtig über ihre Augen und zog es hinten fest. Ich nahm ihr Arme und führte sie nach oben. Ihre Handflächen gegen die kalte Mauer gedrückt.

»Bleib so! Ich zeige es dir.« zärtlich küsste ich ihren Hals, die Schultern.

Ich ging zu dem Grammophon auf dem eine alte Schellackplatte lag, pustete den Staub ab, drehte die Kurbel. Kurz drauf hörte man Jean Sablon »J’attendrai«.

Ich ging zurück zu Anca. Stellte mich ganz dicht hinter sie, legte meine Hände an ihre Hüften und zog sie zu mir. Sie lehnte sich an mich und wir wiegten uns im Takt der Musik. Anca presste ihren süssen Po gegen mein Becken. Sie wusste was sie wollte und sie sollte es bekommen. Wir bewegten uns durch den Raum. Ihre Hände legte sie dabei an meine Beine. Ich streichelte ihre Brüste, küsste zärtlich ihren Hals. Unsere Berührungen wurden immer fordernder. Als die Musik zu Ende war standen wir an dem grossen Eichentisch. Sie drehte sich zu mir, als ich ihr das schwarze Band von den Augen nehmen wollte hielt sie meine Hand fest.

»Nicht« sagte sie.

Dann küssten wir uns. Erst zärtlich, dann immer leidenschaftlicher. Wir pressten unsere Körper aneinander. Sie spürte meine Erregung. Ich zog ihr das Kleid hoch über ihren Po und hob sie auf den Tisch. Sie lehnte sich zurück. Die Arme weit nach hinten gelegt lag sie da voller Erwartung. Meine Küsse wanderten von ihrem Bauch immer tiefer bis in ihren Schoß. Ich zog ihren Slip mit beiden Händen langsam von den Schenkeln. Als mein Zunge sie berührte, kam ein wohliges Stöhnen über ihre Lippen. Ich wollte sie verwöhnen. Hielt ihre Beine an den Fesseln. Küsste und leckte ihre Muschi, spielte mit meiner Zunge. Ich sah wie sich ihre Bauchdecke immer heftiger auf und ab bewegte. Ihr Atem wurde immer schneller. Ich öffnete meine Hose und drang mit einem langsamen Stoß in sie ein. Ihre Beine an den Fesseln gepackt, fickte ich die Frau eines Klienten und es war mir egal. Immer heftiger wurden meine Stöße. Anca biss sich auf einen Finger als wir beide uns in unserer Lust vergaßen. Lautes Stöhnen erfüllte das Gewölbe als ich mich in ihr ergoss.

Dann wurde es still. Nur unser beider Atem war zu hören. Ich beugte mich vor küsste sie sanft und streifte ihr das Spitzenband von den Augen. Einen Augenblick, uns zärtlich küssend, verweilten wir so. Nachdem wir uns wieder angezogen hatten sahen wir uns an. Ich konnte in ihren Augen alles sehen. Sie war mit mir gereist, in eine andere Zeit.

Wir gingen nach oben. Es war mittlerweile Dunkel. Nur ein paar Lampen um den Pool tauchten den Garten in ein magisches Licht. Zurück an den kleinen Tisch. Ein kleines Kätzchen saß dort und machte sich über den Käse her. Als es uns sah, verschwand es unter einem der Fliederbüsche.

»Gehört die auch dazu? sagte Anca mit einem Lächeln.

»Wenn man gut zu der Kleinen ist bleibt sie bestimmt« erwiderte ich.

Wir setzten uns und tranken noch einen Schluck Rosé. Anca nahm das Schälchen mit dem Käse und stellte es neben sich auf den Boden. Der Himmel war sternenklar. Das Singen der Zikaden war leiser geworden als noch am Tag. Wir sagten nichts. Dann brachte ich sie zu ihrem Wagen.

»Merci!« sagte sie als wir uns verabschiedeten.

»Ich will das alles so bleibt wie es ist, keine Änderungen mehr«

»Maximilian muss die Frauen geliebt haben« ihre Augen funkelten verträumt.

»Jede einzelne« sagte ich, dabei küsste ich zärtlich ihre Wangen.

Nach dem sie gefahren war ging ich nochmal in den Garten. Setzte mich, trank einen letzten Schluck.

Das Kätzchen hockte vor dem Schälchen mit Käse und blieb.

Ein Lächeln legte sich auf meine Lippen.

Charles Henry

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