Anca’s Augen [chapter two]

augen

Der Garten mit dem alten Pool wirkte wie aus einer anderen Zeit. Pinien, uralte Rosen waren dort, der Duft von Flieder erfüllte das ganze Areal. Zikaden sangen. Genau diesen Zauber wollte ich Madame Jumey zeigen. Ich hatte Wein und ein paar Trauben auf einem kleinen alten Tisch angerichtet. Dieser stand mit zwei Stühlen in mitten dieser Idylle.

Sie war fast pünktlich. Der Kies in der Auffahrt knirschte als sie ihr Auto parkte. Ich ging ihr entgegen. Als sie aus dem Wagen stieg, verschlug es mir kurz den Atem. Meine Erinnerung an sie waren wohl durch die vielen unangenehmen Telefonate ein wenig getrübt. Sie sah bezaubernd aus. In ihrem weißen Sommerkleid und den für den Kies viel zu hohen Pumps. Ein schwarzes Band aus Spitze betonte ihre Hüften.

»Hallo Madame, schön das sie da sind« sagte ich.

»Hallo Monsieur Blanc« erwiderte sie und schaute sich um.

»Hier sieht es ja gar nicht nach Baustelle aus« bemerkte sie.

»Das soll es auch nicht, mein Team und ich möchten doch all das schöne ihres Anwesens erhalten und wir wollen das sie zu fast jeder Zeit mit Freunden hierher kommen können« ich nahm sie bei der Hand und führte sie in den Garten.
Wir nahmen Platz. Ich goss uns beiden Rosé in die Gläser. Wir saßen dort und tranken Wein. Madame Jumey lies ihren Blick schweifen, über den Pool auf dessen Oberfläche ein paar Blätter schwammen. Zwei bläulich schimmernde Libellen zogen ihre Kreise. Das Haus mit der Terrasse strahlte golden in der Abendsonne.

»Madame???« fragte ich.

Keine Antwort. Die zauberhafte Stimmung zeigte ihre Wirkung. Ich ließ ihr Zeit.

»Madame Jumey? Ist alles okay mit ihnen?

»Anca, ich heisse Anca, schauen sie wie wundervoll dieser Garten ist, diese Stille« sagte sie nach einer Weile.

»Ja?« ein Lächeln legte sich auf meine Lippen.

»Ich sitze das erste Mal hier« sagte sie.

»Ich wusste nicht wie schön es ist. Man kann es spüren.«

»Was kann man spüren?  obgleich ich die Antwort wusste, fragte ich.

»Den Zauber der Vergangenheit« sagte sie.

Jetzt hatte sie der Zauber gepackt.

»Henry, ich darf doch Henry sagen? Zeigen sie mir mehr!«

»Natürlich«

Wir nahmen unsere Gläser und gingen ein paar Schritte durch den Garten. Dabei erzählte ich ihr von Maximilian. Er lebte hier bis zu seinem Tod vor 3 Jahren. Erzählte von dem Keller in dem er Wein kelterte, und ich erzählte von den Damen aus dem nahegelegenen Ort die seinem Charme das ein oder andere mal in diesem Keller erlegen waren. Von einem großen Fest, jedes Jahr, zu dem Maximilian den ganzen Ort einlud um einen neuen Wein zu feiern. Alle brachten damals Speisen mit und es wurde getrunken und gelacht.

»Was machte Maximilian beruflich?« fragte sie als wir am Pool vorbei schlenderten.

»Er hat nur ein wenig Wein gemacht. Den Erzählungen nach hat er nur gelebt und geliebt«

Sie schaute einen Augenblick verträumt auf das Wasser.

Ich stand dicht hinter ihr, konnte ihren Duft atmen. Wir berührten uns leicht als sie sich zu mir drehte.

»Zeigen sie mir nun das Haus Henry?« wir schauten uns einen langen Augenblick an.

»Gerne« sagte ich dann leise.

Ich nahm sie wieder bei der Hand und führte sie über die Terrasse ins Haus.

Auch hier keine Baustelle. Sie war erstaunt. Die Räume waren noch so, wie sie früher waren, von einigen Möbeln befreit, technisch auf dem neusten Stand, doch der alte Charme war noch da. Selbst die Küche wirkte noch wie damals, doch sie hatte all die technischen Raffinessen die eine Frau sich heute in einer Küche wünscht. Als ich sie nach oben zu den Schlafzimmern führen wollte blieb sie stehen.

»Ich möchte den Weinkeller sehen« sagte sie und ihr Blick sprach Bände.

…and then…

Charles Henry

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2 Gedanken zu “Anca’s Augen [chapter two]

  1. Meistens bin ich absolut glücklich und zufrieden, auch ohne Millionen auf dem Konto. Ausser … Ja, ausser wenn ich Geschichten von solch zauberhaften Orten lese, die leider ein ganz klein wenig Geld kosten.

    „…über den Pool auf dessen Oberfläche ein paar Blätter schwammen. Zwei bläulich schimmernde Libellen zogen ihre Kreise“
    Du machst mich fertig, Charles! Jetzt bin ich dort. In diesem Garten. Du hast meine Gedanken nach Frankreich versetzt. Ein Glas Wein, bitte!

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