Paris 1988-1990 [chapter four]

Ohne Titel
Es waren wohl vier Wochen oder so vergangen. Die Gedanken an den Sommer im Süden verblassten langsam. Das Leben plätscherte so dahin. Die Arbeit war nichts besonderes. Ich machte meinen Job ohne grossen Enthusiasmus. Er war mittel zum Zweck. Ich musste Essen und Miete zahlen. Caroline sah ich auch immer seltener. Ihr Vater wollte unsere Beziehung nicht und machte ihr das Leben schwer. Irgendwie wollte ich auch nicht richtig in die Clique der Jurastudenten passen. An allen klebte damals das Geld ihrer Eltern. An mir nur der Muff der Mittellosigkeit.

Ich genoss zwar jeden Moment mit meiner süssen Caroline aber wir fingen an uns voneinander zu entfernen. Es gab nicht ein böses Wort zwischen uns, bis heute nicht. Doch unsere Zeit ging zu Ende.

Als ich eines Freitagabends nach Hause kam, klebte ein Zettel von Emma an meiner Tür.
»Bin auf dem Weg an die Côte. Ruf mich an. Ich habe einen Job für dich.« stand da.
Ich nahm den Zettel legte ihn auf den Schreibtisch und ging duschen. Als ich wieder raus kam klingelte mein Handy. Es war Emma.

»Warum rufst du nicht an?« sie saß im Auto und sprach sehr laut.

»War gerade duschen, was ist den so wichtig?« fragte ich, mir die Haare trocknend.

»Mein Vater braucht einen Architekten, ich hab ihm von dir erzählt und nun will er dich kennen lernen. Wann kannst du hier sein?«

»Wie hier sein? Wo bist du?«

»Ich bin kurz vor Nizza, du liebst doch noch alte Häuser oder?«

»Äh, jaaa???«

»Dann komm her, nimm den nächsten Flug«

»Emma ich weiss nicht wie ich mein Auto mal wieder volltanken soll und jetzt soll ich einfach so mit dem Flugzeug nach Nizza kommen??? Das kann ich mir nicht leisten, und du weisst das.«

»Ich regel das.« sie legte auf.

15 Minuten später eine SMS.
»Ticket liegt bereit. Air France Terminal A dein Flug geht um 21:40 Uhr bis später ich hol dich ab. Bisous Emma«

Sie meinte es ernst, soviel stand fest. Ich hatte nichts zu verlieren. Caroline war das Wochenende mit ihren Eltern bei einer Benefizveranstaltung in der Schweiz. Ich hatte Zeit und war neugierig.

Eine halbe Stunde später saß ich in der  Metro zum Flughafen. Es hatte angefangen zu regnen.

Das Ticket lag wie abgesprochen am Schalter der Air France.
Ich hatte noch Zeit für einen Café. Dann checkte ich ein.

Ein paar Minuten nach dem Takeoff stieß der Flieger durch die Wolken. Die Sonne schien plötzlich durch das kleine Fenster. Ich fühlte mich gut. Es ging in den Süden und ich spürte so eine Art Leichtigkeit in mir aufkommen.

Ich schloss die Augen, spürte die Sonne auf meiner Haut.
»Das Wetter in Nizza: 24 Grad und Sonne« hörte ich den Kapitän sagen.
Mit einem Lächeln auf den Lippen goss ich mir einen Schluck Rosé in den kleinen Plastikbecher. Das Leben ist schön.

and then…

Charles Henry

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