Wie alles begann

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Es war im Winter 1964. Genau gesagt die Nacht zum 14. Januar. Georg war kaputt von der Maloche im Bergwerk nach Hause gekommen, hatte was gegessen und sich dann gleich ins Bett gelegt. Draußen hatte es geschneit. Er legte seine Hand behutsam auf den strammen Bauch neben sich. Gisela schlief schon ein paar Stunden. Seit dem sie schwanger war, war sie Abends immer sehr müde. Sie hatte bis zuletzt gearbeitet. Nun aber kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes machte sie nur noch den Haushalt.
 
Sie erwachte kurz, fühlte die Hand und legte ihre dazu. Es war ein gutes Gefühl zu wissen das Georg da war. Sie küsste seine Stirn und schlief wieder ein. Gegen 04:30 Uhr wachte sie wieder auf. Ein stechender Schmerz hatte sie geweckt. Nun war er wieder weg. Sie lag da, mit offenen Augen. Georg neben ihr schlief tief und fest. Dann kam der Schmerz in ihrem Bauch wieder. Sie stand auf und ging in die Küche, machte sich einen Tee und wartete ab. Da war er wieder und wurde stärker. Es ging los.
 
Sie ging ins Schlafzimmer, zog sich an, setzte sich zu Georg auf die Bettkante und weckte ihn.
»Schatz wach auf es geht los« sagte sie und küsste ihn sanft auf die Stirn.
Er öffnete die Augen. »Was ist los.« fragte er verschlafen.
»Es geht los, unser Kind kommt«
Georg war sofort hellwach.
»Alles gut« sagte er »Ich zieh mich an, wir können sofort los«
Gisela beruhigte ihn »Keine Panik wir haben noch Zeit, die Abstände sind noch recht gross«
Das mochte er so an ihr. Sie war immer die Ruhe selbst. Er zog sich an, nahm die Tasche die schon seit Tagen für diesen Moment gepackt im Flur stand und brachte seine Frau ins Krankenhaus. 
Er stand gerade draußen vor dem Eingang zur Notaufnahme und rauchte, als eine Schwester zu ihm kam und sagte »Es ist ein Junge, beide sind wohl auf«
Georg schnippte die Zigarette in den Schnee. Er ging hoch auf die Station. Gisela lag im Bett, ein kleines Bündel im Arm. Sie sah so unendlich glücklich aus. Er trat näher und sagte »Hallo kleiner Mann« Dann berührte er ganz vorsichtig ‚meine‘ Wange. Das allererste Mal.
»Wir sind jetzt eine Familie“ Stolz küsste er mein Vater meine Mutter.
 
Draussen hatte es wieder angefangen zu schneien.
 
 
Charles
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4 Gedanken zu “Wie alles begann

  1. Das sind so wunderbare Momente, die nie in Vergessenheit geraten. Auch wenn wir uns nicht an unsere Geburt erinnern können, so bekommt sie durch die Erzählungen unserer Eltern den Wert, den sie wirklich hat. Meine Söhne haben schon gesagt, dass sie manchmal meinen, sich genau daran erinnern zu können. So oft wollten sie schon als kleine Kinder wissen, wie es war, als sie zur Welt kamen. Leider bekommt nicht jedes Kind einen so zärtlichen Empfang.
    Liebe Grüße,
    larivle

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